MATERIELLE WELT

Die Zeit

 

„Die ewige Zeit ist die urerste Quelle der Wechselwirkung der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Sie ist unwandelbar und endlos und dient dem Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, als Werkzeug für Seine Spiele in der materiellen Schöpfung.“ – Srimad Bhagavatam 3.10.11

 

Obwohl man glauben könnte, die Zeit sei ein fundamentaler Aspekt der Realität, gibt es sie in Wirklichkeit nur in der materiellen Welt. In der spirituellen Welt existiert keine Zeit wie wir sie kennen. Dies mag schwer zu verstehen sein, aber in der spirituellen Welt geschieht alles ohne Vergangenheit und Zukunft.

 

Nichts in der materiellen Welt kann ohne den Einfluss der Zeit geschehen. Als stärkste Kraft ist die Zeit nicht verschieden von Krishna (wie Er es in der Bhagavad-gita ausdrückt). Die Zeit kontrolliert alles, und Krishna kontrolliert die Zeit. Mit jedem Sonnenauf- und Untergang vermindert die Sonne durch den Einfluss der Zeit die Lebensspanne aller.

 

Die Zeit ist relativ. Ein Jahr auf den höheren Planeten ist viel länger als das Erdenjahr, und die Lebewesen auf höheren Planeten leben nach unseren Maßstäben extrem lange.

Die Erdenzeit läuft in Zyklen von vier Zeitaltern ab, von denen jedes Hunderttausende von Jahren andauert. Im ersten Zeitalter, Satya genannt, ist die Menschheit erleuchtet, aber in den beiden nächsten Zeitaltern, Treta und Dwapara, verschlechtern sich die Bedingungen. Wenn das gegenwärtige Zeitalter des Kali erreicht wird, versinkt die Zivilisation immer mehr in Chaos und Unwissenheit. Zum Ende des Kali-Zeitalters ereignet sich eine partielle universelle Vernichtung, und wiederum beginnt ein neuer Zyklus mit einem Satya-Zeitalter. Der Kreislauf wiederholt sich tausendmal an jedem Tage Brahmas, dem Werkmeister des Universums.

 

Die vedische Zeit- und Geschichtsauffassung ist also viel weit reichender als die des Westens. Sie rüttelt uns zu der Erkenntnis auf, wie vergänglich unser Leben als Mensch ist. Die Veden betonen, dass wir die wertvollen Augenblicke unseres menschlichen Lebens für Selbstverwirklichung nutzen sollen.